Auf der Koreanischen Halbinsel ist es bemerkenswert ruhig geworden. Seit fast zehn Wochen hat Nordkorea keine Raketen und keine Atomwaffen getestet. Über die genauen Gründe kann nur spekuliert werden. Bislang hat sich Kim Jong-un völlig unbeeindruckt vom wachsenden Druck des Westens gezeigt und selbst seinen wichtigsten Partner China mehrfach desavouiert. Allerdings hat die striktere Durchsetzung von UN-Sanktionen durch ein zunehmend ungeduldiges Peking den Druck auf Pjöngjang deutlich erhöht. Lenkt Nordkoreas Diktator ein? Oder ist das nur die Ruhe vor dem Sturm?

„Nordkorea könnte derzeit an einem besonders eindrücklichen Beweis seiner militärischen Schlagkraft arbeiten.“

Ausweis militärischer Schlagfähigkeit

Es ist durchaus möglich, dass Nordkorea auf einen besonders eindrücklichen Test hinarbeitet. Kim Jong-un vollzieht derzeit einen Drahtseilakt. Mittelfristig will er sich auf den wirtschaftlichen Aufbau des Landes konzentrieren. Dazu darf er seinen wichtigsten Handelspartner China nicht so sehr provozieren, dass Peking selbst auf einen Regimewechsel in Pjöngjang setzt. Gleichzeitig hält er an einer glaubwürdigen nuklearen Abschreckung als einzige Sicherheitsgarantie gegenüber den USA fest. Dafür sind jedoch weitergehende Beweise der nordkoreanischen Schlagfähigkeit erforderlich.

Zuspitzung vor Olympia?

Zusätzliche Brisanz gewinnt die Frage vor dem Hintergrund der Olympischen Winterspiele vom 09. bis 25. Februar im südkoreanischen Pyeongchang. Der Test einer Langstreckenrakete oder einer Wasserstoffbombe im unmittelbaren Vorfeld oder während der Spiele würde Pjöngjang maximale Aufmerksamkeit garantieren. Er würde aber auch eine scharfe Reaktion durch Washington und seine Verbündeten provozieren. Angesichts der angespannten Lage könnte dies der Auftakt zu einer militärischen Eskalation sein.

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